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Montag, 30. März 2009

Stuck (USA / 2007)

Der arbeitslose Thomas Bardo (Stephen Rea) ist zahlungsunfähig, verliert seine Wohnung und landet auf der Strasse. Ganz anders ergeht es der Altenpflegerin Brandi Boski (Mena Suvari). Ihr wird eine Beförderung an ihrem Arbeitsplatz in Aussicht gestellt, welche am selben Abend mit Freund, Freundin, Alkohol und Drogen in einem Club zelebriert wird. Auf dem Heimweg von der Tanzfläche rammt sie mit ihrem Auto, betrunken und benebelt, den frisch Obdachlosen, der sich wie ein Geschoss durch die Windschutzscheibe pflügt und dort mit dem Oberkörper stecken bleibt. Konsequenzen für ihre aufstrebende Karriere fürchtend, entschliesst sich Brandi, samt dem regungslosen Körper auf der Kühlerhaube, nach Hause zu fahren und ihren Wagen in der Garage zu verstecken. Aber Bardo ist noch nicht tot und entwickelt einen eisernen Überlebenswillen.

Stuart Gordon hat sich bereits mit seinem ersten abendfüllenden Spielfilm Re-Animator einen Platz im Olymp des Horror-Genres gesichert. Seine Arbeiten landen zwar meist geradewegs in den Videotheken, werden dadurch aber nicht minder sehenswert.
Der am Theater geschulte Regisseur konfrontiert den Zuschauer in Stuck mit der Figur der Brandi Boski. Obwohl hilfreich und mitfühlend auf der Arbeit, stellt sie alsbald eigene Interessen über alles andere und weigert sich für ihr Handeln Verantwortung zu übernehmen. Was braucht es, damit eine hilfreiche und aufopfernde Person zum Monster wird? Was ist der Auslöser damit Egoismus in kriminelles Verhalten umschlägt?

Nebst der bissigen Gesellschaftskritik, von der auch das amerikanische Einwanderungs- und Sozialsystem nicht verschont bleibt, muss auch nicht auf einige blutige Kabinettsstückchen der Marke Stuart Gordon verzichtet werden. Gemischt mit dem boshaften Schalk Gordons und einer Prise schwarzen Humors, wird der auf einen wahren Fall beruhende Stuck zum geeigneten Film für einen verregneten Sonntagnachmittag.
…aber nur wenn die Kinder ausser Haus sind.

Samstag, 28. März 2009

C'est arrivé près de chez vous (Belgien / 1992)

aka Man bites Dog / Mann beisst Hund

Benoit lässt sich in seinem Alltag von einem Kamerateam begleiten. Was ihn von den meisten seiner Mitmenschen unterscheidet und damit interessant macht für Medien und Medienkonsumenten, ist seine Profession als Killer, welcher er mit einer unglaublichen Kaltblütigkeit nachgeht.
Das Kamerateam wird, je länger sie sich mit Benoit abgeben, immer mehr in den Strudel der Gewalt reingezogen und wird alsbald zu einem Mittäter und Komplizen des Killers.


Die unzähligen Morde wechseln sich ab mit Sequenzen und Interviews, in denen Benoit seine Ansichten zum Besten gibt. Mit dem Zuschauer wird dabei ein perfides Spiel getrieben; man hört Benoit zu, gibt ihm Recht oder auch nicht, lässt sich von seiner überzogenen Selbstsicherheit verführen, lacht über seine Weisheiten und seine Gestikulation und man findet ihn, den Serienkiller, beinahe sympathisch …nur um mit brutaler Gewalt zurück in eine "Wirklichkeit“ geholt zu werden, in der sich Benoit als Idiot und Nihilist und zuweilen als komplett wahnsinnig offenbart. Als Zeuge des Geschehens bleibt einem des Öfteren das Lachen im Hals stecken und man fragt sich, was genau man Momente zuvor noch so lustig fand.


Rémy Belvaux ist mit seinem in schwarz-weiss gedrehtem und mit einem Mikrobudget von 15000$ finanziertem Film, ein bemerkenswertes Erstlingswerk der rabenschwarzen Sorte gelungen. Darüber hinaus hat er in Benoit Poelvoorde einen begnadeten Hauptdarsteller gefunden, der der Figur des Killers eine Präsenz verleiht, die, hat man einmal begriffen wie Benoit funktioniert, auch in seinen heiteren Momenten jederzeit einen Gewaltausbruch befürchten lässt.

Die Mockumentary erhält eine weitere Ebene im Wissen das Regisseur Belvaux und seine Crew das Filmteam ist, welches im Film zu sehen ist. Die Eltern des Killers sind es auch im richtigen Leben, im Film wie in der realen Welt hatten die Macher mit der Finanzierung ihres Projekts zu kämpfen; kleine aber feine Dinge, die die Grenze zwischen Schein und Sein verwischen.


Für Fans des Genres ein absolutes Muss; für Zartbesaitete nicht unbedingt!
Der Film ist in teils verstümmelten und geschnittenen Versionen auf DVD erhältlich. Mit der britischen Veröffentlichung von Tartan fährt man auf der sicheren Schiene.



Donnerstag, 26. März 2009

Tropa de Elite (Brasilien / 2007)

…aka Elite Squad

Es ist das Jahr 1997 und Rio de Janeiro bereitet sich auf den Besuch des Papstes vor. Capitano Roberto Nascimento von BOPE, eine Spezialeinheit der brasilianischen Polizei, bekommt vom Gouverneur des Staates den Auftrag, eine Favela in der Nähe der zukünftigen Residenz des Papstes zu säubern und von Drogendealern zu befreien. Seelisch mitgenommen vom täglichen Kampf in den Slums und mit einer schwangeren Ehefrau zu Hause, beschliesst Nascimento einen Nachfolger zu finden, auszubilden und sich von BOPE zurückzuziehen.
Bei einer Schiesserei in einem der über siebenhundert Slums der Stadt, kreuzen sich erstmals die Wege von Nascimento mit denen von Matias und Neto. Die beiden engagierten Jugendfreunde sind Frischlinge in den Reihen der Polizei und bereits nach kurzer Zeit von der überall herrschenden Korruption im Polizei- und der Apathie des Verwaltungsapparates desillusioniert. Nascimento erkennt in den beiden potentielle Kandidaten für BOPE und bietet sie für das harte Auswahlverfahren auf.

Es ist ein düsteres Bild, welches Regisseur José Padilha von seiner Heimat Brasilien zeichnet. Die Mühlen der Bürokratie bewegen sich nur noch durch Schmiergeld und andere Gefälligkeiten. Die unterbezahlte Polizei sieht sich ausserstande dem Kleinkrieg hinter der Glitzerfassade der Copacabana Herr zu werden. Lieber lassen sie sich von den Drogenbossen der Armenviertel bestechen und schützen damit ihr eigenes und das Leben ihrer Familien.

Die einzigen die sich noch in die Favelas vorwagen sind die Truppen der BOPE. Skrupellos und unbarmherzig in ihrem Vorgehen, erscheint die Elitetruppe als letzter Hüter der Ordnung vor dem endgültigen Zerfall.
Dass die Männer der unkorrumpierbaren Einsatztruppe nicht vollends zu Superhelden hochstilisiert werden, lässt sich einzig aus den Szenen ableiten, in denen sie das Recht in die eigenen Hände nehmen, willkürlich Hinrichtungen durchführen und auch sonst nicht zimperlich in ihren Verhörmethoden sind. Desgleichen wirkt der Film in seiner Aussage zu extrem, wenn er jeden Marihuana-Konsumenten auf die gleiche Stufe wie die Drogendealer stellt und mitverantwortlich macht für die Opfer und Zustände die der Drogenkrieg generiert. Dass dieser Kampf nicht bloss durch rohe Gewalt zu gewinnen ist, verschweigt der brasilianische Kassenschlager.

Der inszenatorisch einwandfrei gemachte Tropa de Elite funktioniert ausgezeichnet als Gegenstück zu Fernando Meirelles Cidade de Deus, welcher das Leben an den Hängen des Zuckerhuts aus einem anderen Blickwinkel zeigt. Und nicht zuletzt ist der Film ein harter, kompromissloser, aufregender und mit treibender Musik unterlegter Polizeithriller, der soweit bedeutend ist, indem er einem den oft in Vergessenheit geratenen Kleinkrieg auf den Strassen Brasiliens zurück ins Gedächtnis ruft.

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